EVOLVE

 

Dänemark… Ich erinnere mich daran, dass es für mich als kleiner Friesenjunge das Größte war über die Grenze ins Legoland zu fahren. Als ich älter wurde, war es weniger das Legoland, das mich anzog. Aber das ist eine andere Geschichte. Es gibt einige Fakten über Dänemark die wissenswert erscheinen. Zum Beispiel krönten sich die Dänen zum Europameister, nachdem die Nationalmanschaft bei McDonalds essen war. Wusstet ihr, dass die Einwohner des Landes, zu den Glücklichsten in Europa gehören? Das alles nur am Rande: Irgendwann in den 90ern haben die Dänen beschlossen, eine Art Volkswagen zu bauen. Das scheint nicht sonderlich interessant. Genauer betrachtet schon, denn das Fahrzeug war ein rein elektrisches. Der Zeit weit voraus, scheiterte es an der schwachen Batterietechnik. Die wie BMW Isetta anmutenden „City El“ Fahrzeuge setzten sich nie durch. Das komplette Konzept inklusive der Fertigung wurde kurzerhand nach Würzburg verkauft und dort versuchten sich dann deutsche Ingenieure, mit identischem Nichterfolg. Die Dänen aber haben ihren Traum von der Elektromobilität nie aufgegeben. Damit kommen wir zum eigentlichen Thema.

Während sich das Elektroskateboard in Deutschland in einer signalgrauen Dunkelzone befindet, ist es in Dänemark ab dem 1. Januar erlaubt mit diesen Vehikeln auf öffentlichen Straßen zu fahren. Wir können also von unserem nördlichen Nachbarn nur lernen. Schauen wir nun über den Atlantik. In Kalifornien hatte ein Gouverneur eine Reihe von Gesetzen verabschiedet. Neben der Erlaubnis Wäsche auf dem Balkon zu trocknen (was tatsächlich per Gesetz verboten war!), wurde das Elektroskateboard vorletztes Jahr beinahe über Nacht zum legalen Transportmittel erklärt. Und mit diesem Gesetz kam eine Unzahl von Kickstarterprojekten auf. Boosted, Stark und dutzende andere Firmen versuchten sich, von dem neuen, gigantischen Markt eine Scheibe abzuschneiden. Beinahe alle entwickelten Boards eint eine Sache. Die hohe Ausfallquote nach wenigen Tagen oder Wochen. Boosted mußte eine ganze Serie von Boards wegen fehlerhaften Batterien austauschen. Andere Gefährte wiesen Fehlfunktionen auf, die genauer betrachtet, als lebensgefährlich einzustufen sind. Nicht dass sie explodieren, doch wenn man beschleunigen will und das Board bremst oder auch umgekehrt, kann das durchaus dumm enden.

Wir für unseren Fall hatten aus den letzten Jahren gelernt. Ohne Namen zu nennen, gab es für uns die ein oder andere Situation, die uns in Tests oder auch auf Promotiontouren fast umgebracht hätte. Wenn das DRK an der Tür klingelt und fragt ob der Fahrer mit dem Elektroskateboard zu uns gehören würde, dann wißt ihr was ich meine. So geschehen vor einiger Zeit. Am Ende war es die Fernbedienung, die interessante Befehle an die Motorsteuerung gegeben hat. Günstig kaufen, bedeutet in diesem speziellen Bereich: Krankenkassenkarte einstecken.

Was will man machen? Es bringt verdammt noch mal viel Spaß. Stellt euch vor, mit einem Elektroboard quer durch die Landschaft zu heizen, über Waldwege oder am Strand. Oder auch nur schnell von A nach B in der Stadt. Ein kurzweiliger Zeitvertreib. Wir brauchen also das ultimative Board. Onan war schon recht nah dran, wobei die Reichweite ein kleines Defizit aufweist. Aber zumindestens war die Ausfallquote gering. Yuneecs EGO hatte relativ viele Aussetzer. Skatey war uns zu altbacken. Mellow für die Leistung zu unerschwinglich und fehlerbehaftet. Und andere, unbekanntere Marken immer auch ein Risiko. Wer übernimmt den Service, wer garantiert für die Sicherheit?

Und jetzt kommt das Erstaunliche. Bei allen Recherchen zum Thema war eine Firma immer da, wurde aber von uns nie groß beachtet. Evolve Skateboards aus Australien schien unter dem Radar zu fliegen. Während sich eine Handvoll Firmen in Deutschland einen Run auf die Kunden der Longboardszene lieferten, lieferte Evolve einfach. Eine Art Paralleluniversum zu dem uns Bekannten, der Skateboardindustrie. Schon die ersten Schritte dieser Firma in 2012 unterschieden sich von denen der Mitbewerber, die an einer Hand abzuzählen waren. Statt Bleiakkus unter Decks zu schrauben, die sich Dinosauriern gleich über den Asphalt bewegten, setzte Evolve auf Lithium. Teurer aber in allen Bereichen überlegen. Aber es gab noch einen gewaltigen Unterschied. Kein Fremdkapital. Kein Verbrennen von Geldern anderer Leute. Keine Kickstarteraktionen, die nur dazu dienten, ein unvollkommenes Produkt mit schickem Design aufzuhübschen oder fertig zu entwickeln. Die Boards liefen und liefen und liefen – beinahe fehlerfrei. Bevor ich weiterschreibe – ein paar Fakten, an denen ihr erkennen könnt, dass dieser Beitrag kein Marketinggschwätz ist, weil Evolve einer unser Partner ist.

Erwarteter Umsatz für Evolve weltweit in 2018: 10 Millionen AUS Dollar

Facebookfreunde (keine gefakten) 150.000 davon rund 93% im Distributionsgebiet und 61000 aus Deutschland. Womit die Anzahl beinahe die Anzahl an Fans der deutschen Longboardindustrie übertrifft.

Evolve wurde von Fleur und Jeff Anning Anfang des Jahrzehnts aus dem Boden gestampft. Mit eigenem Kapital bauten sie eine Serie von 50 Boards in der heimischen Garage und gingen volles Risiko. Binnen zwei Wochen waren all diese Boards verkauft. Die Ausfallquote war dermaßen gering, dass sich schnell weitere Kunden dazugesellten.

Einer der ersten Kunden war Jens Haffke aus Düsseldorf. Genaugenommen war er Kunde Nummer 20. Jens hatte sich seit 2009 mit dem Verkauf von Elektroskateboards beschäftigt und war auf der Suche nach einem neuen Produkt. Sein damaliger Lieferant glaubte, dass im Elektroskateboardmarkt keine schnelle Umsätze in großer Stückzahl möglich sind und importierte fortan andere weniger zeitintensive Artikel aus dem Reich der Mitte.

Zu dieser Zeit gab es wenig Verlässliches in der Elektroskateboardszene. Das Konzept der Branche war zu dieser Zeit nicht von Nachhaltigkeit geprägt. Es wurde ein Container Ware aus China bestellt. Diese Boards wurden dann gebrandet oder kamen bereits mit mehr oder weniger schickem Aufdruck in Deutschland an und mit viel Glück funktionierten die Teile dann auch. Nachdem das Lager leerverkauft war, überlegte sich der Importeur ob er eventuell noch eine Charge nachbestellte. Die hohen Reklamationsraten sorgten dann in der Regel für eine andere Entscheidung. Den Fehler keine Ersatzteile mit der Hauptlieferung zu bestellen und somit keinen Service anbieten zu können, sorgte schnell für das Aus. Denn die Technik war zu diesem Zeit längst noch nicht so weit. Gigantische unzuverlässige Batterien und Motorsteuerungen, fehlende Sicherungen und vieles andere sorgen für das Scheitern.

Mit diesen Erfahrungen verbrannten sich viele die Finger und das Bankkonto. Auch Jens machte diese Erfahrungen, bevor er eben eines der ersten Boards von Evolve geschickt bekam. Als Webdesigner betrieb er den Handel mit Elektroskateboards nur nebenbei. Anfänglich war es einfach. Karton kam, Label drauf, wegschicken. Mit Evolve Skateboards änderte sich dies von heute auf morgen. Es kamen keine fertigen Produkte an. Die Evolve Boards kamen in Einzelteilen. Schrauben, Motoren, Akkus, Decks die noch gebohrt werden mussten und Rollen wurden bei Concrete Wave gekauft. Das war eine gänzlich neue Erfahrung. Zeitintensiv, denn der normale Job als Webdesigner forderte ihn ebenfalls voll. Rückblickend kann man sagen, dass grade dieses Zusammenbauen ein hohes Maß an Fachwissen generierte und die Nachhaltigkeit fördete. Denn jede Schraube und jedes Teil wurde genau untersucht. Das Ergebnis war nun ähnlich wie das der Australier. Schnell waren alle Boards der ersten Lieferung verkauft und Jens erhielt den Vertrieb für 13 Länder innerhalb Europas. Die Sache nahm Fahrt auf und knapp 1,5 Jahre später entschied er sich, das Hobby zum Vollzeitberuf zu machen. Auch die Anzahl der Mitarbeiter stieg kontinuierlich. 2014 die ersten Teilzeitangestellten, 2016 wurden es Vollzeitangestellte und mittlerweile sind es 10 Mitarbeiter, die für ihn arbeiten. War es in Düsseldorf zunächst ein kleines Büro mit Werkstatt, ist Evolve Skateboards Germany auf 500 Quadratmetern, in einer Fabrikhalle heimisch geworden.

Aber was macht diese Boards so besonders? Ich lasse mal die Plattitüden weg. Also kein Gelaber über Freiheit, Asphaltsurfen oder Snowboards, denn auf der Welle reiten andere ja auch. Es ist die Zuverlässigkeit, die relativ hohe Endgeschwindigkeit (47 Stundenkilometer/je nach Setup) und die Reichweite. Es gibt ein Modell, das 50 (!) Kilometer weit fährt. Und das ist kein Marketinggag,

Die Herstellerangaben sind immer ganz großes Kino. Da werden Angaben gemacht, die selbst in minimalster Auslegung nicht stimmen. Ich habe bisher kein Elektroskateboard gefahren, dass mit einer Akkuladung mehr als 10 Kilometer fahren konnte. Vielleicht mag es an meinem Gewicht liegen. Knapp 90.. ok mittlerweile fast 100 kg machen den Akkus schnell ein Ende. Aber, und hier sollten andere Hersteller die Ohren aufstellen: Diese Boards kosten relativ viel. In der Regel legt man für ein E-Board zwischen 600 und 2000 Euro hin. Das können sich Teenager mit 50 oder 60 Kilo nicht leisten. Aber genau in diesen Gewichtsklassen wird scheinbar die Reichweite unter Laborbedingungen getestet. Der „Standardkunde“ der Elektroskatebords ist zwischen 25 und 50 Jahre alt. Gut verdienend und dem Alter entsprechend vielleicht ein wenig schwerer. Da liegt es nahe, auf ein Produkt zu vertrauen, dass die Kilometerangaben auch durchhält und nicht unbedingt für einen Krankenhausaufenhalt wegen Fehlfunktion sorgt. Und eben deshalb schenken wir Evolve unser Vertrauen auf der Stokedtour 2018.

Evolve wird in diesem Jahr auch den Einzelhandel beliefern. Mit den Servicenmöglichkeiten bieten sich hier unglaubliche Möglichkeiten für die Longboard- und Skateboardshops. Denn waren bisher die Verkäufe von Elektroskateboards sehr häufig mit unangenehmen Folgen verbunden (Garantieabwicklung, Service), so ist dieser Bereich durch heimischen Service und hoher Zuverlässigkeit kein Thema mehr.

Und ob ihr es glaubt oder nicht. Wir werden einen Abstecher nach Dänemark machen und dort auf offener Straße durch die Stadt feuern, dass es eine reine Freude ist!